Angemessene Robotik für die Altenpflege der Zukunft

Die Universität Siegen und die Fachhochschule Kiel entwickeln zusammen mit Pflegekräften roboter-basierte Szenarien und Modelle für die Zukunft der Pflege. Im Wissenschaftsjahr 2018 – Arbeitswelten der Zukunft reist die Forschungsgruppe durch ganz Deutschland, um ihr Projekt der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Im Projekt „AriA“ (Anwendungsnahe Robotik in der Altenpflege) entwickeln Fachleute der Universität Siegen und der Fachhochschule Kiel gemeinsam mit Pflegekräften innovative Modelle zum Einsatz von Robotik und verknüpfen diese mit Weiterbildungsangeboten und Entwicklungsszenarien für die Praxis. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierten Wissenschaftsjahres 2018 bietet die Forschungsgruppe bundesweit Workshops und Informationsveranstaltungen an. Im Zentrum steht dabei sowohl der Austausch mit der Öffentlichkeit als auch mit angehenden Pflegeschülerinnen und -schülern, Lehrenden und Fachkräften des Pflege- und Gesundheitsbereichs zum Thema „Arbeitswelten der Zukunft“

Die Forschungsteams der Fachhochschule Kiel und der Universität Siegen untersuchen gemeinsam, welche Rollen und Aufgaben Roboter im Altenheim übernehmen können und sollen. Dabei kommen ethische Gesichtspunkte ebenso zum Tragen wie Fragen nach den rechtlichen Grundlagen und der sozialen Verträglichkeit der neuen Technik. Mit humanoiden Robotern des Typs „Pepper“ besuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Pflegeeinrichtungen und analysieren, wie offen Bewohnerinnen, Bewohner und Pflegekräfte für die neuartigen Technologien sind. Im intensiven Austausch werden Anwendungen für den Roboter entwickelt, gemeinsam mit den involvierten Zielgruppen getestet und anschließend bewertet.

AriA Workshops und Informationsveranstaltungen im ersten Halbjahr des Wissenschaftsjahres 2018:

• Hannover:
o 06.03.2018–08.03.2018: Altenpflegemesse 2018 (Messestand, Vorträge, Roboter-Präsentation), Messegelände Hannover – 30521 Hannover. Ansprechpartner vor Ort: Universität Siegen
• Schwerin:
o 09.03.2018: 3. Norddeutscher Fachtag Demenz (Ausstellung, Vortrag, Roboter-Präsentation), Schwerin – Ludwig-Bölkow-Haus, Graf-Schack-Allee 12
19053 Schwerin. Ansprechpartner vor Ort: Fachhochschule Kiel
• Berlin:
o 18.04.2018–19.04.2018: AriA Öffentlichkeitsworkshop OSZ Sozialwesen (Workshop und Diskussion, Roboter-Präsentation), Berlin – Landeszentralbibliothek Berlin, Blücherplatz 1, 10961 Berlin-Kreuzberg. Ansprechpartner vor Ort: Universität Siegen
o 02.05.2018–05.05.2018: re:publica (Vortrag, Diskussion und Open Space, Roboter-Präsentation), Berlin – STATION Berlin, Schönhauser Allee 6/7, 10179 Berlin. Ansprechpartner vor Ort: Universität Siegen
• Leipzig:
o 21.03.2018–23.03.2018: XPOMET© CONVENTION (Ausstellung, Workshop, Vortrag), Leipzig – Kongresshalle am Zoo, Pfaffendorfer Straße 31
04105 Leipzig. Ansprechpartner vor Ort: Fachhochschule Kiel
• Kiel:
o 27.03.2018: Fachworkshop Digitale Transformation (Ausstellung, Roboter-Präsentation), Kiel – Landhaus Kiel, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel. Ansprechpartner vor Ort: Fachhochschule Kiel
• Heidelberg:
o 24.04.2018: Paritätischer Gesundheitskongress (Vortrag und Diskussion, Roboter-Präsentation), Heidelberg – Print Media Academy, Kurfürstenanlage 60, 69115 Heidelberg. Ansprechpartner vor Ort: Universität Siegen
• Nürnberg:
o 16.05.2018–17.05.2018: Deutscher Stiftung Tag (Vortrag und Podiumsdiskussion, Roboter-Präsentation), Nürnberg - Messezentrum Nürnberg, Messezentrum 1, 90471 Nürnberg. Ansprechpartner vor Ort: Universität Siegen
• Dortmund:
o 28.05.2018–30.05.2018: Deutscher Seniorentag (Präsentation), Dortmund – Kongresszentrum Westfalenhallen Dortmund, Rheinlanddamm 200, 44139 Dortmund. Ansprechpartner vor Ort: Universität Siegen.

(Quelle: idw vom 26.02.2018)

 

Studie: Hoher Arbeitsdruck, zu wenig Personal und Defizite beim Gesundheitsschutz

Studie: Viele Unternehmen nicht fit für die Arbeit 4.0

Hoher Arbeitsdruck, zu wenig Personal und Defizite beim Gesundheitsschutz in rund 70 Prozent aller Betriebe

Für die Herausforderungen der Digitalisierung und des demografischen Wandels sind viele Unternehmen in Deutschland schlecht gerüstet. In jeweils rund 70 Prozent der größeren Betriebe werden großer Arbeitsdruck, damit verbundene psychische Belastungen und Defizite bei der Weiterqualifizierung als Probleme wahrgenommen, die Gesundheit und Zukunftsperspektiven der Beschäftigten gefährden können.Studie: Viele Unternehmen nicht fit für die Arbeit 4.0

Es hapert vor allem an einer ausreichenden Personalstärke, bei flexiblen Arbeitszeitmodellen, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen, und im Gesundheitsschutz. 76 Prozent der Betriebe führen die gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsabschätzungen nicht wie vorgesehen durch. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung. Basis ist eine Umfrage unter mehr als 2000 Betriebsräten.

Link zur Studie:

https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_pb_20_2018.pdf - Quelle: Elke Ahlers: Sind die Betriebe in Deutschland fit für die Arbeitswelt 4.0?, WSI Policy Brief Nr. 20, 02/2018.

(Quelle: idw, 26.02.2018)

Altenpflege - längst nicht von allen wertgeschätzt

Nicht erst seit dem BMBF-Förderschwerpunkt „Dienstleistungsqualität durch professionelle Arbeit“ – auch bekannt unter dem Titel „Dienstleistungsfacharbeit“ – ist mangelnde oder gar fehlende Wertschätzung in der (Alten-)Pflege ein gesellschaftliches, arbeits- und dienstleistungspolitisches Thema von hoher Bedeutung. Wohl nirgend anders klaffen gesellschaftliche Notwendigkeit dieser Arbeit und gesellschaftliche wie materielle Würdigung dieser Arbeit so weit auseinander.

Zu den Arbeitsbedingungen und zum kollektiven Beschäftigtenhandeln in den Altenpflege legte jetzt die Hans-Böckler-Stiftung eine Studie vor:

KOLLEKTIVES BESCHÄFTIGTENHANDELN IN DER ALTENPFLEGE.

Wolfgang Schroeder unter Mitarbeit von Christine Ludwig, Benedikt Schreiter, Florian Steinmüller, Oliver D’Antonio, Sascha Kristin Futh und Katarina Pollner

Study der Hans-Böckler-Stiftung, Nr. 373, Dezember 2017

Ein Auszug aus „Böckler-Impuls“, 1/2018, S. 4:

„In den Werkshallen zogen die Beschäftigten schon vor 100 Jahren an einem Strang: harte Arbeit, gutes Geld! Ohne Betriebsrat und Tarifvertrag geht nichts – bis heute sind die Interessenvertretungen in der Industrie stärker und die Löhne höher als im Durchschnitt. Auf eine ganz andere Tradition blickt die immer wichtiger werdende Altenpflege zurück. Sich um pflegebedürftige Menschen zu kümmern, galt bis vor nicht allzu langer Zeit im Wesentlichen als mildtätiger „Liebesdienst“ – fast immer von Frauen geleistet. Noch heute steht dieses Denkmuster im Weg, wenn es darum geht, aus Pflegejobs ganz „normale Arbeitsverhältnisse“ zu machen, in denen die Beschäftigten sich nicht nur aufopfern, sondern auch gemeinsam ihre Rechte einfordern. Darauf macht der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel in einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie aufmerksam. Doch dies ist nicht die einzige Besonderheit der Branche, die eine wirksame Interessenvertretung erschwert. Es handelt sich um einen „zerklüfteten, wettbewerblich gemischt finanzierten Sektor, dessen Beschäftigungsbedingungen von Kostendruck, Flexibilisierung und Ökonomisierung gekennzeichnet“ sind, so Schroeder. Gegenüber den Arbeitgebern bestehe ein „starkes Machtgefälle mit ausgeprägten Repräsentationslücken“.

Link zur Studie:

https://www.boeckler.de/impuls_2018_1_4-5.pdf

https://www.boeckler.de/pdf/p_study_hbs_373.pdf

 

„Von der ‚Guten Arbeit‘ zur ‚Guten Erwerbsbiografie‘? Voraussetzungen, Widersprüche, Gestaltungsperspektiven“

SAMF und FGW veranstalten am 25./26.10.2018 in Mülheim / Ruhr eine Konferenz zum Thema „Von der ‚Guten Arbeit‘ zur ‚Guten Erwerbsbiografie‘? Voraussetzungen, Widersprüche, Gestaltungsperspektiven“.

Der Call for Paper ist beigefügt.

 

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Martin Baethge zur Erinnerung

Martin Baethge zur Erinnerung

Von Gerhard Ernst und Klaus Zühlke-Robinet

Am 4. Januar 2018 starb in seinem 79. Lebensjahr der Mitbegründer, langjährige Direktor und Präsident des Soziologischen Forschungsinstitutes in Göttingen, Professor Dr. Martin Baethge.

Für uns ist es nicht möglich zu würdigen, was Martin Baethge für die Arbeits- und Dienstleistungsforschung in Deutschland getan hat. Deshalb können wir nur einige persönliche Bemerkungen machen.

Für mich (Gerhard Ernst) ergab sich die erste vertiefte Zusammenarbeit im Rahmen der „Initiative Dienstleistungen für das 21. Jahrhundert“. Schon als Mitglied des Tagungsbeirates „Dienstleistungen der Zukunft“ warnte Martin Baethge 1995 für die Dienstleistungswirtschaft vor der Wende zu Unternehmenskonzepten, die auf die bad-job-Strategie setzen. Und er wies daraufhin, dass eine neue Technikoffensive allein keine der zukünftigen Herausforderungen meistern wird. Dieser Richtung entsprechend übernahm Martin Baethge dann die Leitung des großen Forschungsprojektes „Lebens- und Wirtschaftsstandort Deutschland: Grundlagen für eine zukunftsfähige Gesellschaft“. In einer Zeit, in der es nur noch um „Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands“ ging, legte Martin Baethge Wert auf den Zusammenhang von Leben und Wirtschaft. Er war sich 1997 bewusst, dass gerade zu dieser Zeit die Bundesrepublik die tiefste Arbeitsmarktkrise ihrer Geschichte erfährt. Er sah sehr deutlich die Umbrüche, aber zugleich stellte er die Frage: Wie lässt sich mehr Quantität an Beschäftigung mit einer Verbesserung der Qualität von Beschäftigungsverhältnissen und einer Steigerung der Dienstleistungs- und Lebensqualität verbinden? Martin Baethge hat damals den Grundstein für das Motto „Gute Arbeit – Gute Dienstleistungen“ gelegt. Im Bereich der Arbeitsforschung hat er diese Linie durch die Untersuchung „Beschäftigung durch Innovation“ zusammen mit Franz Lehner, Jürgen Kühl und Frank Stille flankiert. Für mich (Gerhard Ernst) war ganz wichtig, von dem „Haschen nach Innovation“ wegzukommen. Wichtig für Arbeits- und Lebensqualität so zeigte die Untersuchung ist die Innovationsfähigkeit. Dieses Konzept wurde dann auch in die entsprechenden Forschungsprogramme aufgenommen. Den dritten Anstoss gab Martin Baethge mir (Gerhard Ernst) mit dem Konzept der „Transformation des Industrialismus“. Dort verabschiedete er sich von dem – auch heute noch vorherrschenden Denken – hier Industrie mit Wertschöpfung, dort Dienstleistung. Für ihn wurden die Daten der sektoralen Anteilsverschiebungen zu Indikatoren tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen. Der „Industrialismus“ als institutionelle Ordnung verschwindet! Und damit verschwinden auch Sicherheit und Kontinuität. Das klassische großindustriell orientierte Unternehmensmodell verschwindet, die Rollenteilung zwischen Mann und Frau verändert sich, die Beruflichkeit droht ihren Wert zu verlieren, der Korporatismus als politisch-sozialer Integrationsmechanismus verschwindet. Der Weg zur Dienstleistungsbeschäftigung ist damit unumkehrbar und wegen der Nähe zur Alltagskultur muss er mit besonderer Aufmerksamkeit gestaltet werden. Dienstleistungsforschung hat deshalb für Martin Baethge nicht nur die Aufgabe sich ein wenig um Digitalisierung zu kümmern, sondern sie muss eine gesellschaftspolitische Aufgabe wahrnehmen.

Mein (Klaus Zühlke-Robinet) erster Kontakt mit Martin Baethge war 1974. Damals, als engagierter Jugendvertreter und IG Metall Jugendfunktionär, las ich begeistert – doch stellenweise noch kaum richtig ermessend – sein Werk „Ausbildung und Herrschaft. Unternehmerinteressen in der Bildungspolitik“ (1970). In dieser Zeit, die von der aufkommenden Jugendarbeitslosigkeit und der „Ausbildungsverweigerung“ der Unternehmen geprägt gewesen ist, ermöglichte die Lektüre dieses Buches eigene praktische Erfahrungen theoretisch besser verstehen und einordnen zu können gerade hinsichtlich der Funktionalisierung von (beruflicher) Bildung für das kapitalistische Wirtschaftssystem.

Nach einer längeren zeitlichen „Pause“ erhielt ich (Klaus Zühlke-Robinet) Mitte/Ende der 2000er Jahre die Gelegenheit, Martin Baethge’s Positionen zur „Dienstleistungsfacharbeit“ und „Produzentenstolz“ im Rahmen des BMBF-Förderschwerpunktes „Dienstleistungsqualität durch professionelle Arbeit“ näher kennenlernen zu dürfen. Er warnte angesichts der „Erosion der Facharbeit“ (M. Baethge) davor, dass mit den beiden Schlüsselbegriffen des Förderschwerpunktes mehr Probleme geschaffen werden könnten, als dass sie zu einer konzeptionellen Klärung beitragen würden. Qualifizierte Dienstleistungsarbeit, gerade im Sinne der Interaktionsarbeit, würde mehr der Logik der Selbstkontrolle und den organisationsübergreifenden Werten von Dienstleistungsqualität folgen – beides Aspekte, die für ihn konträr zu den Figuren der Facharbeiter und des Produzentenstolzes stünden. Damit trug er innerhalb des Förderschwerpunktes maßgeblich zu einer mitunter kontrovers geführten, aber äußerst ergiebigen Diskussion bei, die noch heute bei mir ihren Nachhall hat. Diskussionen zum Gegenwartszustand der beruflichen Bildung wie zu ihrer Zukunft haben mit den sehr vielfältigen wie engagierten Beiträgen von Martin Baethge immer eine interessante, originäre und anregende Note erhalten.

Gedenken an Martin Baethge heisst nicht nur auf seine Erfolge, auf seine Unterstützung, auf seine Ermutigungen hinzuweisen. Gedenken an Martin Baethge ist auch eine Aufforderung an die Forschungsgenerationen nach ihm, diesen Weg der sozialen Verantwortung in der Gestaltung der Zukunft weiter zu gehen.

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