Institut für "Gesellschaftlichen Zusammenhalt"

Das BMBF hat eine Förderrichtlinie zum Aufbau eines "Instituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt" veröffentlicht (Bundesanzeiger vom 08.11.2017).

Textauszug: "Der Deutsche Bundestag hat Mittel zur Gründung eines „Instituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ bereitgestellt. Anlass sind aktuelle Entwicklungen, die darauf schließen lassen, dass es Bevölkerungsgruppen gibt, die das bestehende politische System nicht mehr unterstützen, die sich an den Rand gedrängt fühlen, bzw. zur parlamentarischen Demokratie und ihren Repräsentanten auf Distanz gehen. Die hierfür ursächlich anzunehmenden Zweifel an den Grundlagen von Staat und Gesellschaft erfordern eine umfassende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Strukturen und Wahrnehmungen gesellschaftlicher Zugehörigkeit.

Die Umsetzung des Haushaltsbeschlusses erfolgt im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Rahmenprogramm für die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften, Schwerpunkt „Kulturelle Vielfalt und Zivilgesellschaft – Potenziale für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Teilhabe“ (https://www.bmbf.de/de/geistes-und-sozialwissenschaften-152.html).

Mit der vorliegenden Bekanntmachung werden wissenschaftliche Einrichtungen mit einschlägigem Forschungsprofil aufgerufen, sich in einem wettbewerblichen Verfahren am Aufbau eines dezentralen Instituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt zu beteiligen. Die Stärkung der universitären Forschungslandschaft ist ein besonderes Anliegen der Fördermaßnahme."

Link zur Bekanntmachung:

https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-1454.html

 

"Sorgekämpfe"

Ingrid Artus, Peter Birke, Stefan Kerber-Clasen und Wolfgang Menz (Hrsg.):

Sorge-Kämpfe: Auseinandersetzungen um Arbeit in sozialen Dienstleistungen. VSA Verlag, Hamburg, 2017

Auszug der Pressemitteilung des SOFI, Göttingen:

„Arbeit in sozialen Dienstleistungen galt lange als wenig konfliktgeprägt. Zu beobachtende Arbeitskämpfe in Krankenhäusern, in der Altenpflege, in Kindertagesstätten und in der Behindertenbetreuung verweisen aber auf eine nachhaltige Veränderung. Dieses noch unzureichend untersuchte Phänomen wird in dem von Ingrid Artus, Peter Birke, Stefan Kerber-Clasen und Wolfgang Menz jüngst herausgegebenen Buch „Sorge-Kämpfe“ analysiert. Arbeit in sozialen Dienstleistungen galt lange Zeit als wenig konfliktgeprägt. Proteste und Arbeitskämpfe in der Pflege, im Gesundheitswesen, in der frühkindlichen Erziehung und Bildung sowie in der Sozialen Arbeit zeigen allerdings, dass sich dies nachhaltig geändert hat. Im Gesundheitswesen kommt es immer häufiger zu Konflikten um Personalbemessung oder um Haustarifverträge. Vielfache Beachtung fanden zudem die Arbeitskämpfe im Sozial- und Erziehungsdienst, insbesondere der „Kita-Streik“ von 2015. Zwei Prozesse stoßen dabei aufeinander: Zum einen blockieren Austeritätspolitik und ‚Schuldenbremse‘ eine bedarfsgerechte Ausstattung der Einrichtungen und sind verantwortlich für unzureichende Arbeitsbedingungen und Unterbezahlung. Zum anderen geht es um Fragen der Anerkennung hochwertiger und verantwortungsbewusster Arbeit.

Der Sammelband „Sorge-Kämpfe“ analysiert diese neuen Konflikte aus sozialwissenschaftlicher und gewerkschaftlicher Perspektive. Peter Birke (Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen) und seine Mit-Herausgeber/innen konstatieren: „Sorge-Kämpfe in sozialen Dienstleistungen werden vor allem von Frauen getragen und experimentieren unter schwierigen Bedingungen mit neuen Arbeitskampfstrategien. Diese neuen Arbeitskonflikte in Krankenhäusern, in der Altenpflege, in Kindertagesstätten und in der Behindertenbetreuung sind bisher noch unzureichend reflektiert worden. Dabei sind sie von großer Bedeutung: Konflikte um Sorgearbeit sind eng mit dem neoliberalen Umbau von Staat und Wirtschaft verbunden. Sie verweisen auf grundlegende Veränderungen der Geschlechterarrangements.“

Quelle und Link:

http://www.sofi-goettingen.de/aktuell/aktuelldetails/news/neuerscheinung-sorge-kaempfe/

Eine Leseprobe findet sich beim VSA-Verlag unter:

http://www.vsa-verlag.de/nc/buecher/detail/artikel/sorge-kaempfe/

Wissenschaftsunterstützendes Personal: Arbeit im "Schatten"

Dienstleistungsarbeit verändert sich rapide – auch für Beschäftigte unterhalb der akademischen Ebene an Universitäten und Hochschulen. Sekretärinnen sind längst keine Schreibkräfte mehr, sondern an der Schnittstelle zwischen Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern, Studierenden und Verwaltung für so ziemlich alles zuständig. Hausmeister sind Allround-Servicetechniker, die die technische Infrastruktur im Blick haben müssen und Aufträge an Fremdfirmen vergeben. Doch weiterhin mangelt es an Anerkennung und Wertschätzung auch in Form einer angemessenen Bezahlung.

Im „Böckler Impuls“,  Ausgabe 16/2017 werden die zentralen Ergebnisse der dazu erschienenen von Ulf Banscherus u.a. widergegeben:

https://www.boeckler.de/111181_111186.htm

Ulf Banscherus u.a.: Wandel der Arbeit in wissenschaftsunterstützenden Bereichen an Hochschulen, Study der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 362, im Erscheinen

Dienstleistungen -Produktivität - Digitalisierung

Unter dem Titel „Produktivitätsschwache Dienstleistungen“ greifen Beckmann und Oerder in WISOdirekt 29/2017 die Diskussionen aus dem Ver.di/FES Arbeitskreis Dienstleistungen auf. Sie betrachten dabei auch die Folgen der Digitalisierung auf Dienstleistungen und Produktivität und schliessen sich dabei der These von Brödner an, dass es zu einem Produktivitätswachstum nur dann kommt, wenn technische und arbeitsorganisatorische Innovation zusammenwirken. Beckmann und Oerder favorisieren ein neues Produktivitätskonzept, das aus drei Dimensionen besteht: die monetär gemessene Produktivität, die Dienstleistungs- und die Arbeitsqualität. Allerdings konstantieren die Autoren selbst, das solche Modelle nicht geeignet sind, gesamtwirtschaftliche Produktivität zu messen.

Beckmann und Oerder betrachten die Lösung des Produktivitätsdilemmas noch sehr optimistisch. Wenn man Djellal  und Gallouj (2008) folgt, gibt es vielleicht gar keine einheitlichen Produktivitätsmessungen, sondern mehrere „Welten“, in denen Produktivität unterschiedlich bestimmt wird:

  • Die (im angelsächsischen Sinn) industrielle und technische „Welt“: Output-Faktoren sind durch Volumen gekennzeichnet.
  • Die Finanz„welt“ mit den finanziellen Transaktionen und Werten
  • Die private (relational or domestic) „Welt“. Es geht um Empathie und zwischen-menschliche Beziehungen.
  • Die Zivil„welt“. Gerechtigkeit, Fairness und Gleichbehandlung bestimmen Produktivität.
  • Die „Welt“ der Innovation, in der Inspiration und Kreativität gelten
  • Die „Welt“ der Reputation. Dort ist Markenimage produktivitätsprägend.

Auch die Autoren sind frustriert über die Produktivitätsprobleme; denn ihrer Ansicht nach „suggerieren >Produktivitätskonzepte< eine Objektivität der Leistungsbewertung, die sie nicht einhalten können“. Zum Schluss machen sie dann auch noch einmal deutlich, dass Produktivitätskonzepte auf unternehmerischer Ebene „ viel mehr von Faktoren wie der Macht der Gewerkschaften oder dem Ausmass der Arbeitsmarktregulierung ab<hängt>“

Der Artikel findet sich: http://library.fes.de/pdf-files/wiso/13734.pdf

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