Digitalisierung im Krankenhaus - Studie der Hans-Böckler-Stiftung

Christoph Bräutigam, Peter Enste, Michaela Evans, Josef Hilbert, Sebastian Merkel, Fikret Öz:

Arbeitsreport Digitalisierung im Krankenhaus: Mehr Technik – bessere Arbeit?

Study der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 364, Dezember 2017.

 

Die Digitalisierung hat das Gesundheitswesen erfasst. Aus Sicht der Beschäftigten ist das eine zweischneidige Entwicklung: Digitale Geräte können im Krankenhaus die Arbeit erleichtern, doch gleichzeitig nehmen Zeitdruck und Unterbrechungen zu.

Wie sich die Digitalentwicklung auf die Personalausstattung auswirkt, scheint auch davon abzuhängen, ob die Kliniken in privater, öffentlicher oder gemeinnütziger Trägerschaft geführt werden. Bei Auswahl und Bewertung der neuen Techniken wird nur eine Minderheit der Arbeitnehmer einbezogen. Weniger als 30 Prozent der befragten Arbeitnehmer fühlen sich rechtzeitig und umfassend informiert, wenn es um digitale Neuerungen geht. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie.*

Digitale Technologien haben auf breiter Front in den deutschen Krankenhäusern Einzug gehalten, stellen Forscher um Michaela Evans, Prof. Dr. Josef Hilbert, und Christoph Bräutigam vom Institut Arbeit und Technik (IAT) fest. Die Gesundheits- und Sozialwissenschaftler haben untersucht, welche Auswirkungen diese Entwicklung aus Sicht der Beschäftigten hat. Ihrer Studie zufolge sorgen sich Pfleger und Ärzte zwar nicht um die Sicherheit ihrer Jobs. Was das Aufgabenspektrum und die Arbeitsbelastung angeht, nehmen sie aber durchaus Veränderungen wahr: Die Digitalisierung hat die Arbeit einerseits erleichtert, andererseits aber auch zu mehr Druck geführt. Ein besonderes Problem: Vielfach werden die neuen Techniken eingeführt, ohne die Beschäftigten zu beteiligen. Aufgrund ihrer Anlage ist die Studie zwar nicht im strengen Sinne repräsentativ, ermöglicht aber dennoch einen außergewöhnlich detaillierten und empirisch fundierten Einblick in den Digitalisierungsalltag deutscher Krankenhäuser.

Die Wissenschaftler haben zwischen Juni und Oktober 2016 eine Online-Befragung durchgeführt, an der 648 Klinikbeschäftigte teilgenommen haben. Von den Befragten arbeiten 79 Prozent in der Pflege, 6 Prozent sind Ärzte. Die übrigen Teilnehmer sind in Assistenzberufen, im therapeutischen Bereich oder in Verwaltung und Technik tätig. Zusätzlich zur Online-Befragung wurden Interviews mit den Managern zweier Krankenhäuser geführt.

https://www.boeckler.de/5248.htm?produkt=HBS-006759&chunk=1&jahr

 Quellen: idw vom 11.12.2017 und Homepage Hans-Böckler-Stiftung

Klagekampagne gegen Leiharbeit -

Die ZDF-Sendung “Die Anstalt” vom 16. Mai 2017 zur Leiharbeit hat ein gutes Nachspiel. Am 17. 09.2017 erschien auf der Homepage von "LabourNet Germany" folgender Aufruf:

"(Die Anstalt, Prof. Wolfgang Däubler und LabourNet Germany) Gesucht: LeiharbeiterInnen für eine Klage vor dem EuGH für gleichen Lohn und gleiche Bedingungen auch in Deutschland"

Link:

http://www.labournet.de/politik/alltag/leiharbeit/arbed_leiharbeit/die-anstalt-prof-wolfgang-daeubler-und-labournet-germany-gesucht-leiharbeiterinnen-fuer-eine-klage-vor-dem-eugh-fuer-gleichen-lohn-und-gleiche-bedingungen-auch-in-deutschland/

 

"Sorgekämpfe"

Ingrid Artus, Peter Birke, Stefan Kerber-Clasen und Wolfgang Menz (Hrsg.):

Sorge-Kämpfe: Auseinandersetzungen um Arbeit in sozialen Dienstleistungen. VSA Verlag, Hamburg, 2017

Auszug der Pressemitteilung des SOFI, Göttingen:

„Arbeit in sozialen Dienstleistungen galt lange als wenig konfliktgeprägt. Zu beobachtende Arbeitskämpfe in Krankenhäusern, in der Altenpflege, in Kindertagesstätten und in der Behindertenbetreuung verweisen aber auf eine nachhaltige Veränderung. Dieses noch unzureichend untersuchte Phänomen wird in dem von Ingrid Artus, Peter Birke, Stefan Kerber-Clasen und Wolfgang Menz jüngst herausgegebenen Buch „Sorge-Kämpfe“ analysiert. Arbeit in sozialen Dienstleistungen galt lange Zeit als wenig konfliktgeprägt. Proteste und Arbeitskämpfe in der Pflege, im Gesundheitswesen, in der frühkindlichen Erziehung und Bildung sowie in der Sozialen Arbeit zeigen allerdings, dass sich dies nachhaltig geändert hat. Im Gesundheitswesen kommt es immer häufiger zu Konflikten um Personalbemessung oder um Haustarifverträge. Vielfache Beachtung fanden zudem die Arbeitskämpfe im Sozial- und Erziehungsdienst, insbesondere der „Kita-Streik“ von 2015. Zwei Prozesse stoßen dabei aufeinander: Zum einen blockieren Austeritätspolitik und ‚Schuldenbremse‘ eine bedarfsgerechte Ausstattung der Einrichtungen und sind verantwortlich für unzureichende Arbeitsbedingungen und Unterbezahlung. Zum anderen geht es um Fragen der Anerkennung hochwertiger und verantwortungsbewusster Arbeit.

Der Sammelband „Sorge-Kämpfe“ analysiert diese neuen Konflikte aus sozialwissenschaftlicher und gewerkschaftlicher Perspektive. Peter Birke (Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen) und seine Mit-Herausgeber/innen konstatieren: „Sorge-Kämpfe in sozialen Dienstleistungen werden vor allem von Frauen getragen und experimentieren unter schwierigen Bedingungen mit neuen Arbeitskampfstrategien. Diese neuen Arbeitskonflikte in Krankenhäusern, in der Altenpflege, in Kindertagesstätten und in der Behindertenbetreuung sind bisher noch unzureichend reflektiert worden. Dabei sind sie von großer Bedeutung: Konflikte um Sorgearbeit sind eng mit dem neoliberalen Umbau von Staat und Wirtschaft verbunden. Sie verweisen auf grundlegende Veränderungen der Geschlechterarrangements.“

Quelle und Link:

http://www.sofi-goettingen.de/aktuell/aktuelldetails/news/neuerscheinung-sorge-kaempfe/

Eine Leseprobe findet sich beim VSA-Verlag unter:

http://www.vsa-verlag.de/nc/buecher/detail/artikel/sorge-kaempfe/

Institut für "Gesellschaftlichen Zusammenhalt"

Das BMBF hat eine Förderrichtlinie zum Aufbau eines "Instituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt" veröffentlicht (Bundesanzeiger vom 08.11.2017).

Textauszug: "Der Deutsche Bundestag hat Mittel zur Gründung eines „Instituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ bereitgestellt. Anlass sind aktuelle Entwicklungen, die darauf schließen lassen, dass es Bevölkerungsgruppen gibt, die das bestehende politische System nicht mehr unterstützen, die sich an den Rand gedrängt fühlen, bzw. zur parlamentarischen Demokratie und ihren Repräsentanten auf Distanz gehen. Die hierfür ursächlich anzunehmenden Zweifel an den Grundlagen von Staat und Gesellschaft erfordern eine umfassende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Strukturen und Wahrnehmungen gesellschaftlicher Zugehörigkeit.

Die Umsetzung des Haushaltsbeschlusses erfolgt im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Rahmenprogramm für die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften, Schwerpunkt „Kulturelle Vielfalt und Zivilgesellschaft – Potenziale für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Teilhabe“ (https://www.bmbf.de/de/geistes-und-sozialwissenschaften-152.html).

Mit der vorliegenden Bekanntmachung werden wissenschaftliche Einrichtungen mit einschlägigem Forschungsprofil aufgerufen, sich in einem wettbewerblichen Verfahren am Aufbau eines dezentralen Instituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt zu beteiligen. Die Stärkung der universitären Forschungslandschaft ist ein besonderes Anliegen der Fördermaßnahme."

Link zur Bekanntmachung:

https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-1454.html

 

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