Digitalisierung – proaktive Politik gegen Arbeitslosigkeit Digitalisierung und Beschäftigung Teil 5

Digitalisierung und Beschäftigung Teil 5 – ein vorläufiges Ergebnis

Als wesentliche Ergebnisse des ersten (Digitalisierung und Arbeitsmarkt: Apokalypse oder goldenes Zeitalter ?Teil 1: Berechnungen und Einschätzungen des Automatisierungsrisikos         zweiten Teils  (Digitale Welt: Keine Arbeit, trotzdem Geld ?Digitalisierung und Beschäftigung Teil 2: Künstliche Intelligenz, Robotik und Beschäftigungspolarisierung ) dieser Analyse ist festzuhalten, dass digitale Technologien auf die Dauer in fast allen Wirtschaftsbereichen eingesetzt werden. In den nächsten 20 Jahren werden in erster Linie einzelne und einige eng verbundene Tätigkeiten verändert oder substituiert werden. Digitale Technologien steigern die Leistungsfähigkeit von Arbeit und Kapital, sie haben an sich damit keine so eindeutig arbeitssparende Wirkung. Ihr Einsatz hängt sehr stark davon ab, neue Organisationsformen von Produktion und Arbeitsprozessen sowie neue Geschäftsmodelle zu finden. Im Zuge der Veränderungen ganzer Tätigkeitskomplexe können in diesem Prozess auch komplette Berufe substituiert werden. Bei unveränderten Rahmenbedingungen (!) ist mit diesem Prozess auch ein merklicher Rückgang der Arbeitsnachfrage verbunden. Hauptbetroffen sind alle Bürotätigkeiten. Hier werden Internetverbindung, Big Data und Algorythmisierung sowie der Einsatz künstlicher Intelligenz zu erheblichen Veränderungen der Tätigkeiten und der Freisetzung von Arbeitskräften führen. Neue digitale Konzepte werden überwiegend im Bereich der Fachkräfte mit mittleren Einkommen eingesetzt werden. Hier besteht der größte Engpass bei Arbeitskräften weltweit, der größte Rationalisierungsbedarf und auch das größte Rationalisierungspotenzial. Für einfache Tätigkeiten im Niedriglohnbereich ist die Automatisierung vielfach einfach zu teuer. Als Ergebnis bleibt festzuhalten, dass die Digitalisierung – und veränderte Rahmenbedingungen vorausgesetzt – netto zu einer Reduktion des Arbeitskräfteeinsatzes vor allem im Bereich der Bürotätigkeiten und der Fachkräfte führt. Es kann also zu funktionaler Arbeitslosigkeit in größerem Umfang kommen, die sich dann auch zu genereller Arbeitslosigkeit verfestigen kann, wenn keine erheblichen Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen durchgeführt und neue Beschäftigung geschaffen wird. Deshalb wird in den meisten Studien unterstellt oder gefordert, dass zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur und vorwiegend in neue Bereichen wie zum Beispiel des Klima-und Umweltschutzes erfolgen.(Teil 3) (Das Ende des American Way of Life. Digitalisierung und Beschäftigung Teil 3)

Diese Erwartungen werden sich nicht erfüllen.Der Einfluss der etablierten Interessen in der Industrie vor allem aber auch in allen Wirtschaftszweigen, die an einem weiterhin sehr hohen materiellen Konsum der Bevölkerung interessiert sind, verhindern eine zügige Umsetzung erforderlicher Maßnahmen. Das geht so weit, dass der Klimawandel schlicht geleugnet oder Maßnahmen wie zum Beispiel die Substitution deutscher Kohlekraftwerke vertagt wird. Es wird bei vergleichsweise geringen Impulsen durch Maßnahmen auf der Ebene der unteren Gebietskörperschaften und auch von marktgetriebenen Investitionen bleiben –zu wenig, um die Effekte der Digitalisierung kompensieren zu können.

Die Untersuchungen zu Digitalisierung und Beschäftigung gehen implizit von einem status quo der strukturellen Entwicklung der Wirtschaft aus. Strukturelle Entwicklungen sind aber für die nächsten 20 Jahre von größerem Einfluss als die Digitalisierung selbst (Teil 4). Vor allem die Globalisierung der Wirtschaftstätigkeit in den letzten 20 Jahren hat Struktur und Entwicklung der Beschäftigung maßgeblich geprägt. Mit der Öffnung der asiatischen Staaten, v. a. Chinas wurde ein Arbeitspotenzial erschlossen, dass um Dimensionen das westliche übersteigt. Westliche Direktinvestitionen und der eigene Aufbau von Industriekapazitäten in diesen Ländern haben inzwischen den Globalisierungsprozess substanziell verändert. In den Industrieländern wurden vor allem vergleichsweise gut bezahlte Industriearbeitsplätze verlagert und die Beschäftigten wurden meist in weniger gut bezahlte Dienstleistungstätigkeiten absorbiert. Diese Einkommens- und Beschäftigungspolarisierung wird durch die Digitalisierung fortgesetzt. Mit dazu bei trägt die verstärkte internationale Konkurrenz auch im Bereich der high-tech und Qualitätsproduktion.Vor allem China steht an der Schwelle ein global basierendes Technologie – Investitions – und Finanzzentrum sowie ein eigenständiger Pol für digitale Technologien und digitale Wirtschaft zu werden. Damit wird die amerikanische Hegemonialstellung vor allem im Bereich der Technologieführerschaft, der Sicherheit und der militärischen Überlegenheit infrage gestellt. Die Weltwirtschaft steht praktisch heute schon vor einem Bruch, einem Auseinanderfallen in Blöcke. Es ist unwahrscheinlich, daß Übereinkünfte über “Cyber-Sicherheit“ und Schutz von Unternehmen vor Staatseinfluss verhandelt werden können. Die Weltwirtschaft steht an der Schwelle eines kaum vorhersehbaren Polarisierungsprozesses und damit vor großen Unsicherheiten und Krisenanfälligkeit.(Beschäftigung in der Zeit der „streitenden Reiche“ *)

Diese weltwirtschaftliche Entwicklung stellt das deutsche „Geschäftsmodell“ einer stark exportlastigen Wirtschaft in einer offenen und vorwiegend wettbewerblich organisierte Weltwirtschaft infrage. Hier sind mehrere Faktoren wirksam:

  • die zunehmende weltweite Konkurrenz, insbesondere von staatlich unterstützten Unternehmen;
  • damit verbunden, Verlust, zumindest Einschränkungen von Marktpotenzialen;
  • zumindest partielle Re-Regionalisierung zum Schutz von Arbeitsplätzen, Industriepotenzialen und Know-how;
  • Verlust technologischer Leistungsfähigkeit durch Brüche im Verbund Forschung – Industrie (Die Übernahme zum Beispiel wesentlicher Unternehmen des Maschinenbaus durch ausländische Eigentümer entzieht zugleich der Forschung wesentliche Kooperationspartner für Entwicklung und Umsetzung neuer Technologien)

Die Digitalisierung in Deutschland wird sich also in einem Zeitalter wirtschaftlicher Umbrüche vollziehen. Darauf ist Deutschland generell schlecht vorbereitet. Weder gibt es einen notwendigen Ausbau des Bildungssystems, insbesondere mit dem Schwerpunkt Digitalisierung, noch gibt es eine proaktive Arbeitsmarkt- und Gesellschaftspolitik.

Fazit: Die Digitalisierung wird in großem Umfang negativ auf Arbeitsmarkt und Beschäftigung wirken und Freisetzungsprozesse aufgrund der genannten strukturellen Veränderungen verstärken. Insbesondere ältere Arbeitnehmer werden verstärkt freigesetzt werden und schlecht Ausgebildete keine Arbeit finden. Eine pro-aktive integrierte Wirtschafts- Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik muß deshalb dringent geschaffen werden. Dazu gehören v.a. folgende Elemente:

  • Breiter Ausbau der Daseinsvorsorge und der gesellschaftlich notwendigen Dienstleistungen in öffentlich-rechtlicher Regie oder auf kontrollierten Märkten;
  • Aktive Klima-,Umwelt- und Ressourcenpolitik,u.a. Ausbau der Kreislaufwirtschaft;
  • Pro-aktive Arbeitsmarktpolitik, verzahnt mit Bildungs- und Qualifizierungspolitik;
  • Ein neues Programm zur Förderung nachhaltiger Unternehmens-und humaner Arbeitsstrukturen;
  • Ein Masterplan für Digitalisierung, der Digitalisierung mit den o.g. Politiken verzahnt.

Links zu Literaturquellen zu allen Teilen von „Digitalisierung und Beschäftigung

Digitalisierung und Beschäftigung, Analysen und Prognosen

1.Arbeitsmarkt 2030, Studie i.A. BMAS

file:///G:/Arbeitsmarkt;%20Arbeitslosigkeit/ERC%20Arbeitsmarkt%202030%20-%20Prognose%202016%20-%20Fachexpertisen-1.pdf

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2.BMAS: Foresight Studie“ Digitale Arbeitswelt“

Forschungsbericht 463, Februar 2016

file:///G:/Arbeitsmarkt;%20Arbeitslosigkeit/f463-digitale-arbeitswelt.pdf

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3.IAB: Industrie 4.0 und die Folgen für Arbeitsmarkt und Wirtschaft

file:///G:/Arbeitsmarkt;%20Arbeitslosigkeit/Industrie%2040%20und%20die%20Folgen%20IAB%20fb0815.pdfForschungsbericht 8/2015

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  1. Wirtschaft 4.0 und die Folgen für Arbeitsmarkt und Ökonomie

IAB Forschungsbericht 13/2016

http://doku.iab.de/forschungsbericht/2016/fb1316.pdf

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  1. C.B. Frey; M.A. Osborne: The future of Employment. How susceptible are jobs to computerisation ?

Cambridge 2013

file:///G:/Arbeitsmarkt;%20Arbeitslosigkeit/The_Future_of_Employment.pdf

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  1. BMAS: Übertragung der Studie von Frey/Osborne (2013) auf Deutschland

Forschungsbericht 455, Juni 2015

file:///G:/Arbeitsmarkt;%20Arbeitslosigkeit/fb-455.pdf

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  1. UNCTAD: Trade and Development

Report 2017: Beyond Austerity: Towards a Global New Deal

file:///G:/Arbeitsmarkt;%20Arbeitslosigkeit/Unctad%20(robotik)tdr2017_en.pdf

  1. OECD: Automation and Independent Work in a Digital Economy, Paris 2016

file:///G:/Arbeitsmarkt;%20Arbeitslosigkeit/Automation-and-independent-work-in-a-digital-economy-2016.pdf

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  1. Accenture : Technology vision 2017

Amplifyou (speziell über künstliche Intelligenz)

file:///G:/Digitalisierung/Accenture-TV17-Full.pdf

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  1. Mc Kinsey Global Institute, Report 2017, What the Future of Work will mean for Jobs, Skills and Wages

https://www.mckinsey.com/global-themes/future-of-organizations-and-work/what-the-future-of-work-will-mean-for-jobs-skills-and-wages

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  1. BMAS, Kompetenz-und Qualifizierungsbedarfe bis 2030

http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Thema-Arbeitsmarkt/lagebild-partnerschaft-fachkraefte-2017.pdf;jsessionid=639B88124140286938334DB23EC1CB60?__blob=publicationFile&v=1

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  1. Prognos Studie Fachkräfte Bedarf Bayern

https://www.prognos.com/fileadmin/pdf/publikationsdatenbank/121218_Prognos_vbw_Arbeitslandschaft_2035.pdf

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  1. McKinsey Global Institute: Artificial Intelligence

The next digital frontier

https://www.mckinsey.com/~/media/McKinsey/Industries/Advanced%20Electronics/Our%20Insights/How%20artificial%20intelligence%20can%20deliver%20real%20value%20to%20companies/MGI-Artificial-Intelligence-Discussion-paper.ashx

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  1. Andrew Berger u.a. ; Robots, Growth and Inequality; IMF , Finance and Development Sept. 2016

file:///G:/Roboter%20und%20KI/Robots,%20Growth%20an%20inequality%20(IMF%202016).pdf

  1. BIBB: Alternative Szenarien der Entwicklung von Qualifikation und Arbeit bis 2030

file:///G:/Arbeitsmarkt;%20Arbeitslosigkeit/59819164f18ed_wd_137_alternative_szenarien_der_entwicklung_von_qualifikation_und_arbeit_bis_%202030.pdf

  1. Bertelsmann 2015, Wandel der Beschäftigung; (Arbeitsmarktpolarisierung)

https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/Wandel_der_Beschaeftigung_NW.pdf

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