Ein Neues Lied – das Motiv

Ich habe ein Neues Lied gefordert. Ich bin kein Komponist, ich kann höchstens das Motiv denken. Ich glaube nicht, dass Beethoven von der Gesamtheit der 5. Sinfonie auf die vier Töne – drei Achtel und ein Halbe Note - gekommen ist. Ich glaube, zuerst ging ihm das Motiv im Kopf herum und darauf baute die Fünfte auf.

Welches Motiv hat dann mein Neues Lied? Es sind die bekannten Wünsche der arbeitenden Menschen.

Die meisten Menschen wollen “Sorgenfrei leben können”. Andere sind bereit, “Wohlstand hart <zu>erarbeiten” und wünschen die “Balance <von > Arbeit und Leben” Andere suchen “Sinn außerhalb der Arbeit”, wiederum andere wollen in einer “Starken Solidargemeinschaft” leben. Einige wollen auch “Engagiert Höchstleistung erzielen” und “Sich selbst verwirklichen”. Aber alle stehen Flexibilisierung und Digitalisierung negativ gegenüber. Fast die Hälfte der Bevölkerung erwartet negative Veränderungen unserer Arbeitswelt. Die Geschwindigkeit der Digitalisierung fördert Abstiegsängste. 81% der Menschen befürchten, dass durch die technologische Entwicklung immer mehr Menschen abgehängt werden.

Und was bietet die Politik? Auch wenn mit dem Weissbuch „Arbeiten 4.0“ ein neues Konzept der Arbeitspolitik angegangen wurde, bleibt weiterhin die Wertschöpfung und Produktivität an erster Stelle; erst dann kommen Kompetenzerwerb und individuelle Selbstbestimmung. Vieles andere sind alte Konzepte in immer neuen Werbeverpackungen: Politik unterstützt weiterhin Flexibilisierung und Digitalisierung, treibt immer weiter menschenferne Technologieforschung voran und bietet dem Gerede über Massenarbeitslosigkeit durch Computer keinen Gegenpart. Sie zeigt außer dem Konzept der Daueranpassung (sprich „Lebenslang lernen“) keine Zukunftsperspektive.

Dar Motiv des Neuen Liedes ist die konsequente Konzentration bei der Gestaltung von Arbeit und Leben auf die Interessen der Menschen. „Wirtschaft muss dem Menschen dienen“ ist festes Gedankengut großer Gruppen in Deutschland.

Die Entwicklung des Motivs darf nicht den angsteinflößenden technologischen und wettbewerbsorientierten Weg beschreiten, sondern einen Weg der humanen Gestaltung von Arbeit und Leben eingeschlagen. Dabei können durchaus auch Disharmonien auftreten; denn erzwungene Harmonien in Form neuer sozialen Kompromisse klingen in den Ohren der arbeitenden Menschen nach neuen Zumutungen. In der Grundschwingung muss die Geltung der Grundwerte des sozialen und demokratischen Rechtsstaates um ihrer selbst willen vorhanden sein. Mächtig muss klingen, dass nicht der Mensch der Produktion, sondern diese dem Menschen zu dienen hat. Das Erleben von Sicherheit und Solidarität bestimmt die Klangfarbe. Erst wenn das gelungen ist, kann erwartet werden, dass das Lied von der humanen Gestaltung von Arbeit und Leben im Einklang mit dem Lied Wettbewerbsfähigkeit sein wird.

Natürlich hat das Motiv auch einzelne Noten, unterschiedlicher Länge und unterschiedlicher Wertigkeit:

  • Humane Gestaltung von Arbeit und Leben erfordert Technologie, aber eine andere: Menschen brauchen technische Produkte zum Abbau von Schicht-, Nachtarbeit und irregulärer Arbeit! Produkte zum Abbau psychischer Belastung und Beanspruchung! Produkte zur Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Auch Automatisierung ist notwendig, aber so, dass Gute Arbeit und Gute Dienstleistungen entstehen, und niemand das Gefühl hat, immer weiter an den Rand gedrängt zu werden.
  • Humane Gestaltung von Arbeit und Leben erfordert neue Organisationskonzepte, nämlich solche, die den Menschen Sicherheit bieten, eine Balance zwischen Stabilität und Flexibilität erreichen, und die Menschen nicht in die Unplanbarkeit ihres Lebens und ihrer Lebensumgebung stürzen.
  • Humane Gestaltung von Arbeit und Leben erfordert neue Lern- und Bildungskonzepte. Solidarität auch in einer Welt der sogenannten Social Media muss zu einem der wichtigsten Ziele gehören, nicht die Beherrschung gerade en vogue seiender Technologien. Lernen im Prozess der Arbeit muss die Grundlage für ein lebenslanges Lernen werden.
  • Humane Gestaltung von Arbeit und Leben erfordert auch neue Konzepte des Zusammenwirkens der abhängigen, entfremdeten (Lohn)Arbeit mit einer frei zu gestaltenden Zeit. Nicht wie heute, wo unter dem Schlagwort der Flexibilität der „Krake Lohnarbeit“ sich immer weiter in die Freie Zeit hineinfrisst.
  • Humane Gestaltung von Arbeit und Leben erfordert eine Gestaltung für alle Menschen, die in Deutschland leben. Aufgrund des demographischen Wandels werden sich die Sozialstrukturen der Erwerbstätigen erneut verändern. Das wird mit erheblichen Auswirkungen auf die Zusammensetzung betrieblicher Beleg­schaften verbunden sein.
  • Humane Gestaltung von Arbeit und Leben war schon immer eine europäische Aufgabe. Diese Ansätze müssen in die neuen Ansätze einbezogen werden und mit neuem Leben erfüllt werden.
  • Nicht nur Arbeits-, Bildungs- und Forschungspolitik sind gefordert. Der Kreativität für die humane Gestaltung von Arbeit und Leben sollte die gleiche Unterstützung zukommen wie der nicht auf Menschen orientierten technologischen Entwicklung.

Ein Motiv zu denken ist eines, es auszuarbeiten und eine gesamte Sinfonie daraus zu machen, erfordert Arbeit und Kreativität, aber auch Mut und Zuversicht vieler. Natürlich wird die konsequente Beachtung der Interessen von Menschen mit den Interessen der Wirtschaft kollidieren. Natürlich wird ein Großteil der technologieorientierten Wissenschaft die Unmöglichkeit eines solches Vorgehens propagieren. Angesichts der Ansichten des amerikanischen Präsidenten wagt zwar niemand mehr zu sagen, die Globalisierung lasse eine bestimmte Lösung nicht zu, aber denken tun dies viele. Doch ein Neues Lied muss angesichts der Unruhe der arbeitenden Menschen gesungen werden. Ein Neues Lied muss dazu beitragen, erneut zu lernen, dass Wirtschaft kein Selbstzweck oder ein Bereichern von Einzelnen ist, sondern zur Qualität des Lebens und zur Fortentwicklung einer Gesellschaft dienen muss.

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