Per Anhalter durch die Digitalisierung - KEINE PANIK

„Fortschritt macht arbeitslos“ – „Uns steht eine Katastrophe bevor“ und „Elektronische Bausteine bedrohen Millionen von Arbeitsplätzen in Industrie und Dienstleistungsgewerbe.“ „Weder Regierung noch Gewerkschaften wissen, wie sie die Folgen des Fortschritts unter Kontrolle bringen können.“ „Computer können die meisten Jobs der meisten Menschen für die meiste Zeit ersetzen. Das ist keine Science-Fiction-Vision, sondern eine realistische Annahme für die Jahrtausendwende. Die Expertinnen und Experten sind in zwei Lager gespalten. Die einen behaupten, dass die Flut schnell ansteigt und in 20 Jahren 80 Prozent der Arbeitsplätze vernichtet. Verlierer sind dabei die traditionellen Facharbeiterberufe. Den Kollegen in den Büros und Verwaltungen, in Banken und Versicherungen ergeht es keinesfalls besser. Die bisher privilegierten Angestellten (..) sind gefährdet wie nie zuvor.“ „Der (..) Karlsruher Professor Karl Steinbuch prognostizierte unlängst vier Entwicklungslinien, auf die sich die Arbeitnehmer auszurichten haben:

* Die Gesamtzahl der Arbeitsplätze nimmt ab.
* Die Zahl der wenig qualifizierten Arbeitsplätze nimmt besonders rasch ab.
* Die Zahl der Hochqualifizierten nimmt kaum ab, und
* die Anforderungen an die Höchstqualifizierten steigen ständig.“

 

Gemeint in den obigen Zitaten mit „Jahrtausendwende“ ist die Wende vom 20. zum 21.Jahrhundert und mit „in zwanzig Jahren“ ist das Ende der 1990er Jahre gemeint. Überschrift und Zitate stammen aus „Der Spiegel“ vom 17.04.1978[1]. Um 2010 beginnt die große Debatte um die Digitalisierung und wiederum wird das Gespenst der Massenarbeitslosigkeit durch die Medien gejagt, allen voran vom Spiegel: „Die Jobfresser kommen - Roboter, Automatisierung, künstliche Intelligenz: Maschinen werden Millionen unserer Jobs übernehmen.“ (Spiegel Online vom 2.8.2016[2]). Insgesamt scheint sich in der Medienszene in Deutschland seit einem halben Jahrhundert der Trend zu halten, jede technologische Veränderung mit einer Angst auslösenden Berichterstattung zu begleiten. Man könnte lange darüber nachsinnen, warum dies so ist. Ist es die Notwendigkeit der Erhöhung der Auflage, ist es die Kapitalabhängigkeit der Presse oder ist es einfach Dummheit. Ich weiss es nicht.

Jenseits der mangelhaften journalistischen Aufarbeitung des Einflusses neuer Techniken gibt es fundierte Ansätze, wenn es sich um Beschäftigung, Beschäftigungsstruktur und Qualifikation und Kompetenz in der Zukunft handelt. Für die Dienstleistungen besonders wichtig ist die Studie „Wirtschaft 4.0 und die Folgen für Arbeitsmarkt und Ökonomie. Szenario-Rechnungen im Rahmen der BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen[3]“. Es ist eine Simulationsstudie, die auf bestimmten Modellannahmen beruht. Zentral ist, dass eine Wirtschaft 4.0 den Strukturwandel hin zu mehr Dienstleistungen beschleunigen und der Traum einer beschäftigungspolitischen Renaissance von Industrie 4.0 sich nicht erfüllen wird. Allerdings sind die Veränderungen im Charakter der Arbeitswelt zwischen Branchen, Berufen und Anforderungsniveaus weitaus größer als die quantitativen Veränderungen. Bezogen auf das Jahr 2025 zeigt der Vergleich zwischen einer vollständig digitalisierten Arbeitswelt und einer Arbeitswelt mit bisherigem Entwicklungspfad, dass die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Gesamtniveau der Arbeitsnachfrage mit minus 30.000 Arbeitsplätzen relativ gering ausfallen. Allerdings stehen dabei 1,5 Millionen wegfallenden Arbeitsplätzen etwa die gleiche Anzahl neuer Arbeitsplätze gegenüber, die in der Basisprojektion noch nicht vorhanden waren. Der Verlust an Beschäftigung (trotz höherer Wertschöpfung!) im Produzierenden Gewerbe wird vor allem durch die Branchen „Information und Kommunikation“ und „Erziehung und Unterricht“ aufgefangen.

Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sollten nicht presse- und panikgeleitet in die Zukunft blicken, sondern auf Basis von nachvollziehbaren Daten kompetent und sachorientiert an der Gestaltung der Zukunft mitwirken.

 [1] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40615677.html

[2] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/arbeitsmarkt-der-zukunft-die-jobfresser-kommen-a-1105032.html

[3] Wolter, Marc Ingo; et al., : Wirtschaft 4.0 und die Folgen für Arbeitsmarkt und Ökonomie - Szenario-Rechnungen im Rahmen der  BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen, IAB Forschungsbericht 13/2016 (2016),

 

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