Für Ursula – Zukunftsfähig heißt über Misserfolge nachzudenken

Ursula Zahn-Elliott ist aus dem Berufsleben ausgeschieden und auf der Tagung „Arbeitswelten der Zukunft“ wurde an ihre fast 10-jährige Tätigkeit für „Arbeitsgestaltung und Dienstleistungen“ erinnert. Vorgetragen wurde die Würdigung von einem namhaften Arbeitsforscher. Leider stützt sich die Würdigung in der Hauptsache auf die ERFOLGE der Dienstleistungsforschung. Es wäre besser gewesen, der Vortragende hätte sich mit dem Scheitern einer Initiative auseinandergesetzt, die Ursula Zahn-Elliott sehr am Herzen lag: des Wettbewerbes „Zukunftsfähige Arbeitsforschung“.

Anfang des Jahrtausends machte Ursula Zahn-Elliot das Rahmenkonzept „Innovative Arbeitsgestaltung – Zukunft der Arbeit“ bekannt. Damit war der seit 1998 dauernde Ablösungsprozess des Programms „Arbeit und Technik“ beendet. Neben den „üblichen“ Bekanntmachungen wie „Arbeitsgestaltung im E-Business“, „Arbeitsgestaltung in Virtuellen Unternehmen“ und „Innovationsförderliche Unternehmenskultur und Milieus“ war Ursula Zahn-Elliott besonders der „Wettbewerb Zukunftsfähige  Arbeitsforschung“ wichtig.

Warum? Es ging hier nicht um ein einzelnes Problem der Arbeitsgestaltung, sondern es ging um den zentralen Bestandteil des Systems der Innovationsfähigkeit, um Neues Denken in Arbeitswissenschaft und -forschung. Die Arbeitswissenschaft und -forschung sollten zu einem Selbstinnovationsprozess angeregt werden. Das erste Scheitern bestand darin, den Begriff der Arbeitsforschung benutzen zu müssen; leider – so mussten die Autoren 2005 (Verbundprojekt (Hg.): Zukunftsfähige Arbeitsforschung - Arbeit neu denken, erforschen, gestalten; Eigenverlag, ISBN-Nummer 3-00-015908-8) feststellen – hat sich trotz aller Anstrengungen seit den 1970er Jahren nicht durchgesetzt, dass sich die mit Arbeit befassten Disziplinen als Teile einer integrativen Arbeitswissenschaft verstehen. Das zweite Scheitern bestand darin, dass die Arbeitsforschung nicht im Stande war, der „rasant steigenden Gier“ nach schnellem Erfolg entgegenzuwirken. Die Gier nach schnellem Erfolg macht kurzsichtig, verhindert Qualität und bedeutet auf mittlere Sicht eine Erniedrigung von Wissenschaft und Forschung zur Unternehmensberatung. Die Zukunftsfähige Arbeitsforschung hat die Fähigkeit zur Weitsicht selbst nicht entwickeln können und auch die anderen Disziplinen nicht dazu ermuntern können. Zukunftsfähige Arbeitsforschung hat als drittes das Ziel nicht erreicht, den dauernden Druck auf die arbeitenden Menschen zu nehmen. Damit konnte sie auch keine Arbeitskonzeptionen schaffen, die dem Verlust der Persönlichkeit der Beschäftigten entgegenwirken.

Selten hat die politische Leitung eines Programms den Mut aufgebracht, das Wissenschaftssystem zur Selbstinnovation aufzurufen. Die perfekt organisierte und weltweit vernetzte Tagung fast 20 Jahre nach dem Wettbewerb zeigte, Wissenschaft und Forschung leiden bis heute darunter, dass sie diese Chance nicht ausreichend genutzt  haben. Wenn die eine Disziplin über Arbeitszeit redet, ohne die arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zu kennen, und die andere über Serviceroboter spricht, ohne den technischen Entwicklungsstand zu kennen, wenn „Kompetenz“, „Lernen“, „Fähigkeit“, „Weiterbildung“ von Sprechern unterschiedlicher Disziplinen irgendwie synonym gebraucht werden, wenn hanebüchene Statistiken vorgestellt werden, dann zeigt sich, dass Ursula Zahn-Elliott auch heute noch richtig liegen würde, wenn sie eine Zukunftsfähige Arbeitsforschung auf den Weg bringen wollte.

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