Die Zukunft der Arbeit von 2069 aus gesehen

Einer der spannendsten Kurzartikel zur allgegenwärtigen Künstliche Intelligenz-Debatte ist kürzlich im Jubiläumsheft "in touch - Forschung und Gesellschaft" zum 50-jährigen Bestehen des WZB (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) erschienen. Auf nur zwei Seiten schildert ein Fabelwesen namens SAKI - dessen Thesen von Florian Butollo von der WZB-Forschungsgruppe "Gobalisierung, Arbeit und Produktion" protokolliert wurde - , wie es nach 2019 so weitergegangen ist mit der Welt, der Arbeit und der menschlichen Intelligenz. SAKI heißt eigentlich "Starke Allgemeine Künstliche Intelligenz" und lacht herzlich über alle Ausformungen von "Schwacher Künstlicher Intelligenz", wie sie 2019 noch gang und gäbe waren: Bilderkennung, Schachcomputer und der ganze Schrott.

Tröstlich für viele ist immerhin, dass wir die Arbeit im Jahre 2069 nicht überwunden haben werden, sondern dass sie sich lediglich verändert hat. Aber dann kommen die z. T. dystopischen Fakten: "Außerdem wurde die Arbeit im Zuge der sozialen Unruhen in den 2020er Jahren und der darauffolgenden Arbeitszeitreform 2028 neu verteilt und das Vermögen im globalen Maßstab umverteilt." SAKI appelliert dann noch an alle kritischen Sozialwissenschaftler, sie sollten dem Hype auf die neuen Technologien misstrauen, denn auch er und seine Brüder (und Schwestern) könnten nicht alles.

In einem diese Zukunftsvision ergänzenden Artikel aus der Feder weiterer Mitarbeiter der Forschungsgruppe werden die möglichen Aufgaben der Arbeitswissenschaft (und des WZB) angesichts dieser Herausforderungen angerissen. Zentral ist die Erkenntnis, dass es zu verhindern gilt, dass Beschäftigtengruppen abgehängt werden und Digitalisierung Ungleichheiten verschärft. Hier sei der Staat ebenso gefragt wie Akteure aus der Industrie.

Beachtet man dann an anderer Stelle in der Festschrift, dass zwei ehemalige Direktoren dieser wichtigen außeruniversitären Forschungseinrichtung resümieren, die "Kapitalismusforschung" verdiene eine Renaissance, dann kommt einem das Resüme der jetzigen Direktorin des WZB recht zahm vor. Sie freut sich darüber, dass die Evaluation des WZB von 2018 keine Auflagen gemacht habe und die Einrichtung Zusatzmittel für die Digitalisierung bekomme. Da stellen sich dann doch Zweifel ein, ob das WZB gut gerüstet ist für die sozialen Unruhen, die der hauseigene SAKI, der sich selbst scherzhaft als ein besserer Chatbot bezeichnet, an anderer Stelle prognostiziert.

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